Mysterious Loft – Wie aus einem Geistesblitz wohlig düstere Dessous- & Fashion-Bilder wurden

Die Aufgabe war ein kombiniertes Dessous- & Fashion-Shooting, welches ersichtlich anders sein sollte, als das, was man sonst so bei diesem Thema zu sehen bekommt.
Alles für den Pitch einer Werbeagentur, um damit für uns alle den entsprechenden Kunden zu bekommen. Wunderschöne Wäsche- und Mode-Outfits für unser Model Melanie Joelle wurden uns dazu von der Agentur zur Verfügung gestellt.

Aufsehenerregend abwegig!

Das Problem, oder viel mehr die Herausforderung, war also mal wieder mal, dass die Kunden von einem Fotografen erwarten, dass die Bilder „das gewisse Etwas“ haben, damit sie später auch die entsprechende Aufmerksamkeit beim Publikum erwecken. Mit schnell mal ein bisschen leicht bekleidete Damen in verschiedenen Posen knipsen, ist die Arbeit also nicht getan. Genauer gesagt fängt die richtige Arbeit schon deutlich früher an. Insbesondere mit der Suche nach einer passenden Location.

Und da Dessous- und Fashion-Shootings jetzt nicht zwingend zu den seltensten Aufgaben von Berufsfotografen gehören, ist die Frage, an welcher Location man sich bei diesem Thema noch nicht schon völlig sattgesehen hat, gar nicht mal so leicht zu beantworten. Klar – ein Strand mit Palmen oder ein romantisch dekoriertes Schlafzimmer ist die maximale Klischee-Erfüllung. Aber was wäre denn das Gegenteil davon? Ein düsterer Dachboden zum Beispiel. Aber Dessous und Fashion auf einem zerratzten Dachboden? Was zunächst mal vielleicht einen Schritt zu abwegig klingt, wurde dank der Agenutr, die sich schnell in diese Idee einfinden konnte, zu einem tollen und aufsehenerregenden Konzept. Und glücklicherweise lag die benötigte Location nur eine Treppe von meinem Studio entfernt…

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Auf allen vieren gegen Achtbeiner

Da wir hier ja immer noch im Marketing arbeiten, darf ein dunkler Dachboden natürlich nicht schnöde „dunkler Dachboden“ heißen. Die Shooting-Location wurde also sprachgewandt zum Mysterious Loft umgetauft. Das klingt zwar jetzt deutlich attraktiver, aber ein grundlegendes Problem war leider weiterhin vorhanden. Auch wenn man den Dachboden zum Loft umfirmiert, interessiert das seine potenziellen achtbeinigen Untermieter herzlichen wenig. Und wie lange ein Team mit vielen Mädels in einer Shooting Location bleibt, in der (auch haarige) Spinnen ihr Unwesen treiben, kann man sich ja durchaus bildlich vorstellen.

Da ich für eine erfolgreiche Ausführung des Auftrags aber mehr als zwei hastig geschossene Fotos benötigte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Location eine Stunde vor dem Shooting – hüpfend, stehend und auf allen vieren – ausgiebig daraufhin zu untersuchen, ob sich nicht irgendwo eine dieser tödlichen Ungetüme verschanzt hat, die dann später zum Showstopper werden könnten. Glücklicherweise waren keine dieser lieblichen Tierchen (zumindest in überdimensionaler Tarantula-Größe) in Sicht, so dass an dieser Stelle auch für den WWF und PETA attestiert werden kann: Bei der Erstellung dieser Fotoserie wurden keine Spinnen verletzt oder getötet!

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Von Licht und Schatten

Doch auch ohne Spinnen ist so ein Shooting in dieser Location natürlich eine besondere Herausforderung. Ich musste das Team in den beengten Räumlichkeiten so koordinieren, dass jeder seiner Arbeit nachgehen konnte, ohne sich den Kopf an einem der vielen Balken anzustoßen oder störend im spärlich vorhandenen Licht zu stehen. Denn gerade das Licht macht hier die Suche nach der richtigen Aufnahme besonders spannend. Die gekonnte Nutzung der Sonnenstrahlen aus den kleinen Dachfenstern sorgt für die düster-mystische Atmosphäre, welche wir für die Bilder gesucht haben.

Glücklicherweise hatte Melanie Joelle neben ihrer absoluten Professionalität als Model die nötige Geduld, mit mir immer auf den richtigen Augenblick zu warten, bis das perfekte Licht für das perfekte Bild gegeben war. Nicht zu vergessen, unsere fleissige Olga Koroch, die neben tollem Hair & Makeup eben doch mal die einen oder anderen Spinnenfäden aus den Haaren der tapferen Melanie entfernen musste. Die Ergebnisse der Mühe könnt ihr wie gewohnt wieder in einem umfangreichen Making-of Video betrachten.

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Eine sorgsam drapierte Unordnung

Natürlich mag jetzt manch einer denken, dass das von mir eine überaus clevere Idee war, das Shooting in den Dachboden des Studios zu verlegen. Einfach ein bisschen die dortige Unordnung genutzt, und schon hat man eine besondere Location. Leider war es nicht ganz so einfach. Zum einen mussten wir das ganze Equipment – was sonst immer so selbstverständlich griffbereit im Studio steht – mühsam die enge Treppe nach oben tragen und so zwischen den tiefhängenden Holzbalken bewegen, dass nichts zu Bruch ging. Und zudem ist das, was auf den Bildern als natürlich gegebene Unordnung wirkt, natürlich das Ergebnis sorgsam drapierte Accessoires unserer Stylistin Tamara.

Trotzdem war es ein besonderer Clou, für ein Shooting, statt in ferne Länder, ganz einfach mal auf den eigenen Dachboden zu reisen. Wenn man bei der Ideenfindung gedanklich große Sprünge macht, muss die reale Reise manchmal gar nicht so groß ausfallen. Und wenn dabei dann noch so viele schöne Fotos rauskommen, schafft das direkt Lust auf neue ungewöhnliche Ideen.

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Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,
Michael

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