ZUCKERSUCHT – was hat denn gute Werbefotografie damit zu tun ?

Mit dem Zucker hat der Mensch ja, insbesondere in der heutigen modernen Zeit, ein etwas zwiespältiges Verhältnis… ähm, hab ich das eigentlich auch???
Gelten die süßen feinen weißen Körner doch, neben dem Fett in der Pfanne oder in der Kuchenform, als eine Hauptursache für die kleinen oder größeren Fettpölsterchen an Stellen, an denen man lieber weniger bis gar nichts davon hätte. Und auch abseits der Strandfigur wird dem Zucker ja eher selten eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Zuckerfrei, Zero, Light, Balance – das Marketing kennt viele Worthülsen dafür, um uns zu suggerieren, dass ein Produkt bei weitem nicht so viel Zucker enthalte, wie wir ihm auf den ersten Blick unterstellen.
So ist „süß“ bei allem Gesundheitsbewusstsein weiterhin ein meist doch eher positives Adjektiv für Mensch bis Tier – und insgeheim betrachten wir Menschen, die sich konsequent jeder Nascherei verweigern, doch eher ein wenig argwöhnisch.
Wenn jemand weder Kuchen noch Schokolade mag, was mag er sonst noch für grausame Dinge aushecken?

Hallo, was hab ich denn als Werbefotograf damit am Hut ?

Wann wird aus ein wenig Zucker denn eigentlich zu viel Zucker? Reicht es schon, sich ernsthaft zu fragen, welchen Sinn wiederverschließbare Schokoladenverpackungen eigentlich haben, den ich zum Beispiel noch nie verstanden habe?! Führt zu viel Zucker irgendwann sogar zur Zuckersucht? Und was führt mich eigentlich zu solch „nahrungsmittelphilosophischen“ Überlegungen? ZUCKERSUCHT natürlich.

Schließlich war ich vor einiger Zeit tatkräftig an der Imagekampagne für die Firma ZUCKERSUCHT, ansässig in der kleinen schönen Gemeinde Aschheim bei München, beteiligt. Doch bevor nun die Ehrengarde der Ernährungspyramide gegen mich ins Feld ziehen möchte, hier ein paar beschwichtigende Worte: Es ist nicht so, wie es aussieht, sondern es ist sooo wie es aussieht, mit dem Endergebnis diesmal schon vorweg:

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Die Gefahren des Lebkuchen-Voodoo

Um die Verwirrung erst einmal aufzulösen: ZUCKERSUCHT hat natürlich nichts mit einer Überdosis Vollmilchschokolade zu tun. ZUCKERSUCHT ist der Name einer sympathischen Event- und Werbekonditorei, die sich auf die individuelle Anfertigung verschiedenster – aber immer süßer -Leckereien spezialisiert hat. Von Hochzeit bis Oktoberfest finden sich hier die passenden Süßwaren aus Lebkuchen, Schokolade und Marzipan. Kundinnen und Kunden können sich die Produkte, je nach Anlass oder Feierlichkeit, mit dem Logo ihres Unternehmens und der passenden Beschriftung liefern lassen und so Kunden, Gästen und Partnern ein süßes Präsent übergeben.
Violá, da musste dann ein entsprechendes Fotoshooting für Anzeigenkampagnen her … und schwups, war ich als Fotograf  bei der süßen Angelegenheit mit im Spiel. So ein Pech aber auch für mich, da ich diese tolle Konditorei in Aschheim ja vorher zur offiziellen Besprechung besuchen musste, mir alles mal angesehen habe und mir dabei unverschämterweise diverse „Naschpröbchen regelrecht aufgezwungen“ wurden ;-).

Diese „Naschpröbchen“ waren natürlich keine Herausforderung für mich, aber das Shooting brachte folgendes mit sich:
Im Team von Zuckersucht gibt es natürlich Profis, die mit Glasur und Fondant auf künstlerische Art und Weise die Sonderanfertigungen für die Kunden zaubern. Für das Shooting hatte wir uns aber eine ganz besondere Pointe einfallen lassen – die Lebkuchen-Voodoopuppe. Eine auffällige Anzeigenseite mit unserem ausgewählten Model Ramona Adeboye, die mehrere kleine Versionen von fiktiven Verflossenen vor der Kamera freudig malträtieren durfte und das Lustige dabei war, dass einer ihrer Ex tatsächlich einen der unwissentlich und zufällig ausgewählten Namen auf der Schokopuppe hatte… hoffentlich lebt er noch ;-).

Diese Idee zeigt dann dem Betrachter zum einen, dass – mit der richtigen Idee – die Möglichkeiten des „Marketing mit Zuckerguss“ weit über die klassischen Herzen und Ostereier hinausgehen. Zum anderen war es vielleicht auch gleichzeitig eine Warnung an die Herren, was passieren kann, wenn man die Herrin des Lebkuchenmännchens über Gebühr verärgert. Bilder, die im Gedächtnis bleiben, doch der Weg dorthin war weit.

Das gesamte Szenenbild mit Lichtgestaltung im Esslinger Fotostudio sollte natürlich etwas gespenstisch und dramatisch aussehen… passend zum Voodoo-Thema eben. Trotz allem aber mit perfektem Hair & Make-up, diesmal wieder von einer der Besten, mit Tatjana Kühr. Zu unserer Ramona braucht man nicht viel mehr sagen, ein Profi der Sonderklasse, die alle Vorgaben gekonnt und sicher umsetzen kann.
Und wenn wir schon eine solch tolles Model wie Ramona mit bester Visagistin und aussergewöhnlichen Voodoo-Makeup im Studio haben… warum dann nicht hinterher nach Voodoo-Produktions-Dienstschluss noch ein paar aufregende und ausdruckstarke voodoofreie Einzel-Beauties drangehängt ?!

 

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Die Konditorei Diehl war kurzfristig eröffnet

Das umfangreiche Sortiment von Zuckersucht bietet so gut wie alles was Kunden sich auch nur diesbezüglich wünschen und vorstellen können. Die Herstellung des gruseligen Halloween-Naschwerk mit den Voodoo-Lebkuchenmännern war so gleich mal gar kein Problem für die ZUCKERSUCHT-Konditorei und wir bekamen eine Auswahl mit verschiedenen Namen geliefert. Und da ich meine Assistentin leider nicht davon überzeugen konnte, dass es jetzt doch keinen so großen Unterschied macht, ob sie nun ein Model mit einer Feder oder einen Lebkuchenmann mit dem Zuckerguss oder Lolli dekoriert, ist die Arbeit, den ersten offiziellen Voodoo-Lebkuchenmann komplett zu erschaffen, dann doch an mir hängen geblieben – „Konditormeister Diehl“ – in meinem Beruf darf einfach keine Herausforderung zu groß sein.
Die übrigen leckeren Voodoomänner war´n dann nach dem Shooting plötzlich weg… wobei sie am Ende natürlich fair zum Naschen ans Team aufgeteilt wurden. Einen hatte sogar unsere Studiokatze gestohlen. Dieser war beim erneuten Auffinden ziemlich fies zugerichtet und angeknappert … ich nenne seinen Namen jetzt nicht, dieser Mann muss aber dem Voodooglauben nach ganz besonders gelitten haben ;-)!
Grausam für die Männer (nein, ein Michael war bewusst nicht dabei), aber dank ZUCKERSUCHT so unfassbar lecker, dass somit am Ende des Tages sämtliches Beweismaterial direkt nach dem letzten Foto oder spätestens auf dem Heimweg „vernichtet“ wurde.

Kein Zucker ist eben auch keine Lösung. Dafür naschen wir doch viel zu gerne… und salzige (Leb-)Kuchen führen – aus meiner Sicht völlig zurecht – in den meisten deutschen Küchen eher ein Nischendasein…. eben genaus0 wie diese „innovativen“ wiederverschliessbare Schokoladenpackungen!

 

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Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,
Michael

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