Interview von „Berufsfotografen“ / Miss Audrey UG aus Berlin

BF: Hallo Herr Diehl, als wir das letzte Mal über Ihre Fotografie gesprochen haben, wollten Sie gerne einmal auf den Seychellen shooten. Was ist in der Zwischenzeit in Ihrer Fotografie geschehen, waren Sie dort?

MD: Ja, das stimmt… jedoch sind die Seychellen oder das noch weitere Ausland leider immer noch ein Wunschtraum geblieben, der aber auch mal wieder in naher Zukunft verwirklicht werden wird… so Gott und der Kunde will ;-).
Ich habe aber hier im Lande und im neuen Esslinger Studio sehr schöne und interessante Produktionen fotografieren dürfen, die, wie bei mir üblich, größtenteils als „making of“ mitgefilmt wurden und auf meiner Fotografen-Website auch zu sehen sind.
Egal ob das jetzt große Kampagnen wie z.B. DER HAUSER, mehrtägige Katalogproduktion wie z.B. BASE EYEWEAR oder auch „nur“ die Umsetzung für Fotos zur neuen Teamseite eines große Finanzberaters wie die FAS AG waren. Das Schöne am Job des Fotografen ist einfach immer wieder das Kennenlernen neuer Menschen und derer Sichtweisen, seien es Kunden, Teammitglieder oder benötigte Dienstleister und das Auseinandersetzen mit den Wunschvorstellungen der Kunden, um diese mit allen zusammen des Teams bestmöglichst verwirklichen zu können. Die Realisation all dieser Wunschvorgaben (… auch genannt „Kundenbriefing“ ;-)), kann zugegebenerweise manchmal auch recht weit auseinander klaffen, was meistens am vorhandenen oder besser ausgedrückt, nicht ganz vorhandenen Budget liegt. Sei es, um davon bestimmte Locations anzumieten oder auf eine entfernte Location reisen zu können (… wobei wir wieder bei den Seychellen wären ;-)), oder auch nur um bestimmte Models buchen und Tagesabläufe der Produktion in angedachter Qualität und Quantität meistern zu können… oder auch letztendlich nur, um die gemachten Fotos in den gewünschten Größen, Formaten oder Auflagenzahlen mit entsprechendem Copyright überall auf der Welt vielleicht auch mehrere Jahre einzusetzen.
Aber all diese Herausforderungen machen unser Leben relativ spannend und vielseitig, denn ich denke, dass gerade wir Fotografen natürlich auch einen besonderen persönlichen kreativen Bezug zu unseren Bildern haben und es uns vielleicht mehr als andere freut, wenn wir die Wunschvorstellungen unserer Kunden möglichst so oder vielleicht noch besser erfüllen können, … falls es der gesetzte Rahmen eben auch zulässt!

blog3


BF
: Sie haben noch ein anderes Fotoprojekt umgesetzt, welches man auch auf Ihrem youtube channel Michael Diehl Photography sehen kann. Sie haben es “Devils Angels” genannt.

MD: DEVILS ANGELS war die spannende Umsetzung einer coolen Idee einer Stuttgarter Eventagentur zu einer außergewöhnlichen Weihnachtskarte mit entsprechender Einladung zu einer ebenso außergewöhnlichen „Weihnachtsfeier der etwas anderen Art“. Weihnachtsengel müssen ja nicht immer brav in weiß mit Heiligenschein dargestellt werden und so passte diese Umsetzung total in deren Konzept. Ich dachte dieses Motiv, mitsamt dem making of, steht auch jetzt, 2017, noch zur momentan möglichen „etwas anderen“ Weihnachtsstimmung.
Die gesamte Planung zu diesem Projekt lief sehr kurzfristig über die Bühne… denn Weihnachten kommt ja bekanntlich immer so plötzlich im Jahr ;-)… und wenn vom „alten Budget“ am Jahresende noch was übrig ist, dann werden solche Dinge eben schnell auch gerne noch im alten Jahr umgesetzt.
Aber genau dies sind die Herausforderungen, die ich liebe… Spontanität, Flexibilität, ohne dass die Kreativität darunter leidet… und alles möglichst auch noch auf Kundenseite, was in diesem Falle absolut gegeben war. Und ich sage Ihnen, es hat mal wieder riesig Spaß gemacht… auch die tolle Weihnachtsfeier der Eventagentur lief dementsprechend als „Devils Angels Party“… Prosit PinaColada ;-)!

blog1

BF: Der ganze Aufbau sieht recht aufwendig aus. Wie sehen Sie das, ist das vom Umfang her ein normales Shooting bei Ihnen?

MD: Ein Shooting in oder auf einer solchen Location ist ein Traum… das kommt gleich nach den Seychellen 😉 und ja, es wäre sehr, sehr aufwendig dies irgendwo bewusst so zu gestalten. Da käme auch ein professioneller Stylist und -Setbauer schnell an seine Grenzen, geschweige denn von den Kosten. In diesem Fall jedoch (… wenn Sie es nicht weitersagen), war der optisch tatsächlich sehr aufwendig aussehende Aufbau gar keiner, denn diese alte ungenutzte Fabrikhalle stand genau so, wie sie auf dem Film und den Fotos zu sehen ist, direkt neben meinem ehemaligen Studio. Das Einzige was wir tun mussten, war die Genehmigung zu holen, die Ausrüstung, das Lichtequipment und die Nebelmaschine dorthin zu bringen und uns dabei ziemlich warme Gedanken machen, denn es war ar…kalt da drinnen.
Der Rest stand jedoch so wie zu sehen und ich musste mich „nur noch“ für den passenden Hintergrund mit Gegenlicht entscheiden, ein klein wenig umräumen, Lichtequipment und Nebelmaschine passend aufbauen, unserem wunderhübschen Profi-Angel (oder -Devil, wie man´s nun nimmt) die bewußt schwarzen Flügel und die Hörner aufsetzen, ihr den ausgestopften Bussard in die Hand geben und im richtigen Moment gleichzeitig auf den Knopf der Nebelmaschine und des Kameraauslösers drücken.
By the way: Sieht unser Model Scarlett nicht etwas aus wie Angelina Jolie… hat doch zusätzlich was, wenn man dann an Jolies´ Film „Mr. & Mrs. Smith“ denkt, oder ;-)?! Neben ihrer Professionalität war auch dies ein ausschlaggebender Punkt, dass sie gebucht wurde… nicht zu vergessen ihre tollen passenden Posen im „äußerst kurzen und sexy roten Etwas“ in der Winterkälte eines leerstehenden Fabrikgebäudes zu erwähnen … da gehört auch einiges dazu! Danke hierzu nochmals, Scarlett … und natürlich auch an unseren ausgestopften Bussard, der sich tapfer an ihrem Arm festkrallte ;-).
Ja, vom Umfang her gesehen war dies ein „normales“ Shooting mit Basisteam wie Assistenten, Hair& Makeup, Styling, Model… neben Kunden und noch einem Producer der eingeschalteten Werbeagentur. Jeder übernimmt seinen Part, ohne dass sich jemand großartig als Boss aufspielt… da müssen alle Zahnräder einfach zum Gesamten ineinandergreifen… und dies bestens, so dass ein optimales Kundenergebnis dabei rauskommt. Wie bei diesem Devils Angel shooting zum Beispiel!

blog2


BF:
Wie häufig fotografieren Sie eigentlich im Studio bzw. on location oder beim Kunden? Viele Fotografen haben mittlerweile ja gar kein eigenes Studio mehr. Wäre das auch eine Option für Sie?

MD: Ich bin ja erst vor kurzem in ein sehr schönes, neues, helleres und größeres Studio innerhalb Esslingens umgezogen, da allen Mietern des ehemaligen Studios wegen Abriss und neuem Wohnungsbau gekündigt wurde. Eigentlich mein Glück und ein Wink des Universums, meinen Hintern nochmals neu in eine andere Richtung zu bewegen, denn das neue Studio, welches früher ein angesagter Club in Esslingen war, ist noch in Allem um Klassen besser, zentraler, heller, ausbaufähiger als das zugegebenermaßen auch recht schöne Ehemalige.
Das neue Studio, welches auch als Mietstudio von Dritten zu buchen ist, ist sehr individuell und stylisch eingerichtet und in den Grundzügen noch als Club erkennbar, als auch nutzbar. Deswegen liebe ich es, mich dort aufzuhalten und natürlich auch dort zu fotografieren. Eben das passende kreative Umfeld zu entsprechenden Fotoproduktionen.
Eine Option als Fotograf ohne Studio wäre für mich persönlich nicht machbar. Ich brauche die strikte Trennung von Privat und Geschäft. Ich brauche ein eigenes Fotostudio in dem ich mich wohl fühle, weiß wo vom Bleistift bis zum Blitzaggregat alles liegt und verstaut ist, weiß welches Equipment, welche Hintergrundrolle wo, in welchem Zustand lagert … und liebe meine eigene Kaffeemaschine ;-). Ich möchte mich nicht immer darum separat kümmern wollen, wo zu gegebenem Termin vielleicht ein Mietstudio frei ist, um das dann alles dort nochmals zu organisieren, was im eigenen Studio mit 2, 3 Handgriffen gemacht ist.

Nichtsdestotrotz gehe ich aber auch sehr gerne mit Kunden auf Location… die Mischung macht’s… aber diese ist manchmal nicht unbedingt wählbar ;-).

teufel7


BF
: Lassen Sie uns noch einmal auf die “Devils Angel” Produktion kommen. Ist das die Art von Shooting, die sie mögen und welche fotografischen Pläne haben Sie für die nächsten Monate?

MD: Dieses spezielle Devil´s Angel-Shooting ist und bleibt als eines meiner schönsten und liebsten in Erinnerung … obwohl ich mir jetzt nicht ganz sicher bin, ob es auch teilweise an der danach stattgefunden „Devil´s Angel Weihnachtsfeier“ des Kunden gelegen hat ;-). Ich werde noch heute auf die tollen und zeitlosen Fotos angesprochen, die wie oben geschildert eigentlich mit relativ wenig Aufwand und Accessoires so aufregend für den Kunden umgesetzt wurden. Natürlich hätte ich Ihnen jetzt auch eine riesige Story von Locationsuche, zeitlichen Planungsaufwand, unzähligen Scribbles und sonstigem teuren Aufwand erzählen können… aber wenn es denn auch leichter und einfacher mit vielleicht sogar besserem Ergebnis geht… sehr gerne! Manche Kollegen machen dann gerne aus Mücken Elefanten… obwohl die Mücken selbst manchmal schon die Elefanten sein können ;-)!
Pläne der nächsten Monate? Die Jobs die kommen (oder auch nicht) sind bei uns Fotografen ja nicht unbedingt früh vorhersehbar und planbar. All die schönen Produktionen die ich 2017 fotografieren durfte, hätte ich Ihnen letztes Jahr um die Zeit noch gar nicht sagen können… so auch für 2018.

Deswegen: Man soll die Dinge ja so nehmen wie sie kommen, aber man soll auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte, um sich in zweifelhaften Fällen noch für das Richtige der Dinge zu entscheiden ;-)!

BF: Vielen Dank für das Gespräch

MD: Gerne doch, auch Ihnen vielen Dank und bis zum nächsten Jahr wieder mit hoffentlich vielen schönen Erfahrungen und Neuigkeiten von 2018.

 

Wenn ihr diesen Blogeintrag interessant findet, könnt ihr ihn auch gerne teilen, empfehlen und ihn anderen zeigen. Ich danke Euch für Euren Support und bin schon gespannt auf Eure Feedback!
Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal,
Michael

 

 

 

Recent Posts

Kommentieren